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Jedes Jahr zum Frühjahr, stürmen tausende Haus und Hofbesitzer, voller Überzeugung und bewaffnet mit Ihrerm Hochdruckreiniger, Gummistiefeln, Dreckfräse und chemischen Wundermitteln los, um Terrassen und Gehwege sowie Hofzufahrten von Moos, Grünbelag und Flechtenbefall zu befreien.

Hier die Zusammenfassung aus dem Tagesablauf von Rentner Hubert W*.

(*Der Name ist von uns frei erfunden, aber die Geschichte passiert tausendfach sobald der Frühling kommt)

 

Das neue Hochdruckgerät aus dem Baumarkt war ein echtes Schnäppchen. Auch die angegebene Leistung übersteigt die des Vorgängers um einiges und verspricht ein müheloses Reinigen der Pflastersteine und Terrassenplatten. Dann mal los,

auf den ersten Quadratmetern lassen sich Moos und Grünbelag, brutal mit der Dreckfräse im Anschlag, recht einfach und gezielt entfernen. Der aufgewühlte Dreck fliegt auch so wie im letzten Jahr unkontrolliert durch die Gegend - vieleicht aufgrund der besseren Leistung sogar etwas höher und weiter. Bleibt dann aber trotzdem, wie immer an Hauswänden, Fenstern, Türen und Blumentöpfen hängen - so kennt man es. Der kleine Junge aus der Nachbarschaft, bleibt mit seinem Fahrrad erschrocken und wie versteinert vor der Einfahrt stehen. Diesen Mann in Gummistiefeln, Regenjacke und mit dreckverschmiertem Gesicht, kannte er bisher nur aus Gruselgeschichten. Jetzt heißt es, nur nicht aufgeben! Auch der Nachbar startet in diesem Moment seinen Apperat, und ist fest entschlossen, den Gehwegplatten vor seiner Haustüre den "optischen Frischeeffekt" mit einer Maximalleistung von ca. 110bar zu verpassen. Jeder kämpft auf seine Art gegen Flechten, Unkraut, Moos und Grünbelag. Von Anfang an war jedem klar, dass diese hartnäckigen Flechten oder Flecken eigentlich nicht zu entfernen sind.

Das war im letzten Jahr schon so. Da kann man auch nichts machen, jeder hat Verständnis dafür, und deswegen bleibt es so...!

Eigentlich dauert es auch so schon alles viel zu lange, und die gebückte Haltung überträgt sich seit einiger Zeit unangenehm auf den Rücken. Diese unbequeme Gummikleidung, schützt eigentlich auch nicht richtig, in den Stiefeln steht mittlerweile das Wasser, weil eine dieser Schraubverbindungen am Schlauch undicht ist, und immer Richtung Hosenbein spritzt.,. Jetzt muß aber noch zum letzten mal, der "röhrende" Hochdruckreiniger umgestellt werden. Denn der Wasserschlauch und das Stromkabel sind wiedermal zu kurz .

Das Gerät hatte vorhin, wegen einem Knick im Schlauch, kein Wasser mehr bekommen, und macht seit dem dieses nervige Nebengeräusch. Endlich fertig, es ist geschafft, die Fläche sieht doch auch im nassen Zustand schon viel sauberer aus, als heute Morgen. Nach kurzer aber heftiger Diskusion mit der entsetzten Ehefrau bzgl. der verdreckten Fenster und Türen, muss nur noch der Wasserschlauch zusammengerollt, und in der Garage verstaut werden. Der kleine und überhitze Hochdruckreiniger kann getrost in die Tonne. Denn genau auf den letzten Quadratmetren hat sich leider der Motor inclusive Pumpe "in Rauch" aufgelöst. Nun ist es mittlerweile 17.00 Uhr, und die "gereinigte" Fläche von immerhin knapp 50 Quadratmetern ist vollständig abgetrocknet. Das Endergebnis zeichnet sich genau jetzt, in Form von Enttäuschung bei strahlendem Sonnenschein im Gesicht des Betrachters ab. Es ist nicht sehr zufriedenstellend- eigentlich wie jedes Jahr. Es sind Streifen auf der Fläche, einige Stellen hat man irgendwie komplett "vergessen", und die hässlichen Flechten sind auch nicht weggegangen. Der naheliegende Baumarkt hat zwar noch geöffnet, aber um jetzt noch ein neues Gerät zu kaufen, und die Fläche nachzuarbeiten, fehlt dann doch irgendwie die Lust. Mittlerweile sind auch die Fenster und Türen von der genervten Gattin wieder geputzt, und strahlen mit der untergehenden Sonne um die Wette. Der kommende Tag ist leider schon anderweitig verplant, und deswegen bleibt es erstmal so. Eigentlich hatte man ja auch mal darüber nachgedacht ,die mittlerweile 8 Jahre alte Einfahrt neu pflastern zu lassen - dann würde nämlich alles wieder gut aussehen,und man hätte sich diese jährliche Reinigungs-Quälerei gespart.

...wenn das bloß alles nicht so teuer wär...! Übrigens, über den nächste Baumarktbesuch in den nächsten Tagen wurde schon nachgedacht, denn die Gaskartusche zum Abflämmen des heranwachsenden Löwenzahn aus den Fugen der Terrassenplatten ist auch mal wieder leer...!